HSH: In der Praxis finden wir oft überdimensionierte Wärmepumpen vor. Woher kommt das?
AK: Die Normheizlast, die viele Haustechnikerinnen und Haustechniker zur Berechnung heranziehen, verleitet zur Überdimensionierung. Diese Normheizlast berücksichtigt aber weder den Standort noch die Architektur des Hauses. Sie ist ein theoretischer oberer Deckel, den wir in der Praxis nie erreichen. Eine Gebäudesimulation führt zu viel besseren Ergebnissen, weil sie auch die solare Architektur und die Standort-Klimadaten aus dem Energieausweis einbezieht. Das ist für die Bestimmung der tatsächlichen Heizlast und für die korrekte Dimensionierung sehr wichtig. Besonders deutlich wird das bei Passivhäusern, deren Heizlast nicht einmal 50 Prozent der Normheizlast beträgt.
HSH: Kannst du kurz beschreiben, was es bedeutet, wenn eine Anlage zu klein oder zu groß ausgelegt ist?
AK: Ist die Wärmepumpenheizung wesentlich unterdimensioniert, wird das Haus im Kernwinter bei sehr niedrigen Temperaturen nicht warm genug. Die Wärmepumpe arbeitet permanent an ihrer Leistungsgrenze, verschleißt schnell und verschlingt viel Strom. Auch eine überdimensionierte Anlage benötigt viel Strom, weil das Gerät zu oft ein- und ausgeschaltet werden muss, was zudem die Lebensdauer verkürzt. Außerdem sind die Anschaffungskosten für größere Geräte höher. Deshalb ist eine korrekte Auslegung auch so wichtig – damit das Gesamtsystem effizient läuft und lange hält. Früher sah man zum Beispiel bei Ölheizungen nicht so genau hin. Da gingen oft 40 Prozent der Energie zum Kamin hinaus, was man aber meistens erst im Nachhinein herausfand. Bei der Wärmepumpe hingegen wird jetzt mit der Lupe hingeschaut, ob die Anlagen auch richtig dimensioniert und eingesetzt werden.
HSH: Lohnt sich deiner Meinung nach die Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik?
AK: Photovoltaik ist grundsätzlich immer sinnvoll. Nur die Aussage, dass ich mit der PV ein wesentliches Stück meiner Wärmepumpenheizung autark machen kann, stimmt so nicht. Das Problem sind die beiden gegenläufigen Kurven. Die PV erzeugt Energie, wenn die Sonne scheint. Und die Wärmepumpe braucht vor allem dann Energie, wenn die Sonne nicht scheint. Darum sehe ich das kritisch.